Anhang 1 I zur 1. DV LuftPersV

 

 

Standardisierungsanforderungen für Prüfer

 

 

ALLGEMEINES

 

1  Das Leistungsniveau von Piloten hängt zu einem großen Teil von den Fähigkeiten der Prüfer ab. Prüfer werden von der zuständigen Stelle in den Anforderungen der JAR-FCL deutsch, der Durchführung von praktischen Prüfungen und Befähigungsüberprüfungen und der Erstellung von Unterlagen und Berichten unterwiesen. Prüfer sind außerdem über die in den betroffenen JAA-Mitgliedstaaten geltenden Bestimmungen hinsichtlich Datenschutz, Haftung, Unfallversicherung und Gebühren in Kenntnis zu setzen.

 

ANERKENNUNG VON PRÜFERN

 

2  Jede Befreiung von den in JAR-FCL deutsch 1.425(a) bis (c) aufgeführten Qualifikationsanforderungen ist auf Fälle zu beschränken, in denen kein qualifizierter Prüfer verfügbar ist. Dabei kann es sich zum Beispiel um praktische Prüfungen auf Flugzeugen einer neuen oder seltenen Klasse oder eines neuen oder seltenen Musters handeln. Unter diesen Umständen muss der Prüfer mindestens im Besitz einer Lehrberechtigung für ein Flugzeugmuster sein, das über dieselbe Art und Anzahl von Triebwerken verfügt und unter dieselbe Gewichtsklasse fällt.

 

3  Inspektoren der zuständigen Stelle, die die Aufsicht über die Prüfer führen, erfüllen im Regelfall dieselben Anforderungen wie die beaufsichtigten Prüfer. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sie für sämtliche Muster und Aufgaben, die in ihrem Verantwortungsbereich liegen, qualifiziert sind. Da sie im Normalfall die Ausbildung und Prüfung nur als Beobachter verfolgen, ist es ausreichend, wenn sie für die Rolle eines Inspektors qualifiziert sind.

 

4  Die Standardisierung muss, entsprechend der Kategorie, in der der Prüfer tätig ist, mindestens eine Unterweisung in folgenden Bereichen umfassen:

 

(i)           nationale Bestimmungen, bezogen auf die Prüftätigkeit;

(ii)          Grundlagen im Bereich Menschliches Leistungsvermögen, bezogen auf die Flugprüfungen;

(iii)          Grundlagen zur Anwendung eines Beurteilungssystems bei Flugprüfungen;

(iv)         die Bestimmungen der JAR-FCL deutsch, damit verbundene andere JARs sowie Verwaltungsvorschriften und Richtlinien (JIPS);

(v)          ein auf JAR-FCL deutsch bezogenes Qualitätssicherungssystems; und

(vi)         Zusammenarbeit der Flugbesatzung (MCC), Menschliches Leistungsvermögen, soweit zutreffend.

 

Die zuständige Stelle beschäftigt oder verfügt über eine ausreichende Zahl an Inspektoren oder erfahrenen Prüfern, um die Standardisierungsvereinbarungen gemäß JAR-FCL deutsch 1.425(c) durchzuführen, zu überwachen und/oder zu überprüfen.

 

EINSCHRÄNKUNGEN

 

5  Ein Prüfer darf für einen Arbeitstag nicht mehr als drei auf PPL, CPL, IR oder Klassenberechtigungen bezogene Prüfungen/Überprüfungen, oder nicht mehr als zwei auf FI, CPL/IR und ATPL bezogene Prüfungen/Überprüfungen oder nicht mehr als vier auf Musterprüfungen bezogene Prüfungen/Überprüfungen einplanen.

 

6  Ein Prüfer muss mindestens drei Stunden für eine Prüfung/Überprüfung für PPL, CPL, IR oder Klassenberechtigungen einplanen und mindestens vier Stunden für Prüfungen/Überprüfungen für FI, CPL/IR, ATPL oder Musterberechtigungen, einschließlich Flugvorbesprechung und -vorbereitung, Durchführung der Prüfung/Überprüfung, Nachbesprechung und Beurteilung des Bewerbers sowie Ausfüllen der entsprechenden Unterlagen.

 

7  Ein Prüfer muss einem Bewerber ausreichend Zeit zur Vorbereitung auf eine Prüfung/Überprüfung gewähren, normalerweise höchstens eine Stunde.

 

8  Ein Prüfer muss einen Prüfungs-/Überprüfungsflug so planen, dass die Flugzeit in einem Flugzeug oder die Bodenzeit in einem synthetischen Flugübungsgerät mindestens beträgt:

 

a.           90 Minuten für PPL und CPL, einschließlich der Prüfung in Navigation;

b.           60 Minuten für IR, FI und Muster-/Klassenberechtigungen für Flugzeuge mit einem Piloten; und

c.           120 Minuten für CPL/IR und ATPL.

 

ZWECK EINER PRÜFUNG/ÜBERPRÜFUNG

 

9  Anhand der praktischen Flugdurchführung demonstriert ein Bewerber während einer Prüfung/Überprüfung, dass er den jeweils geforderten Stand der theoretischen Kenntnisse sowie der praktischen Fähigkeiten/Befähigung ereicht bzw. beibehalten hat.

 

10    Verbesserung der Ausbildung und Flugausbildung in registrierten Ausbildungseinrichtungen, FTOs, TRTOs durch Auswertung der Prüfungen/Überprüfungen in den Übungen/Abschnitten, bei denen die meisten Bewerber durchfallen;

 

11    Unterstützung bei der Einhaltung und, wenn möglich, Verbesserung der Sicherheitsstandards durch die Prüfer, die während der Prüfunge/Überprüfung ein ordnungsgemäßes Verhalten als Luftfahrer und fliegerische Disziplin vorleben.

 

JAR-FCL deutsch STANDARDS

 

DURCHFÜHRUNG EINER PRÜFUNG/ÜBERPRÜFUNG

 

12    Der Prüfer ist verantwortlich, dass ein Bewerber eine Prüfung/Überprüfung in Übereinstimmung mit den Bestimmungen der JAR-FCL deutsch ablegt und nach den geforderten Prüfungs-/Überprüfungsstandards beurteilt wird.

 

13    Jede Übung innerhalb eines Prüfungs-/Überprüfungsabschnitts muss einzeln durchgeführt und bewertet werden. Wird eine Übung nicht bestanden, gilt der Abschnitt als nicht bestanden. Der vorher festgelegte Zeitplan für die Prüfung/Überprüfung darf normalerweise vom Prüfer nicht verändert werden.

14    Mäßige oder fragwürdige Leistungen bei der Durchführung einer Übung während einer Prüfung/Überprüfung dürfen die Beurteilung der folgenden Übungen durch den Prüfer nicht beeinflussen.

 

15    Der Prüfer muss die Anforderungen und Einschränkungen einer Prüfung/Überprüfung mit dem Bewerber in der Flugvorbesprechung festlegen.

 

16    Wird eine Prüfung/Überprüfung abgeschlossen oder abgebrochen, muss der Prüfer den Bewerber im Anschluss daran über die Gründe für das Nichtbestehen von Übungen/Abschnitten in Kenntnis setzen. Im Fall einer nicht bestandenen oder abgebrochenen Prüfung/Überprüfung muss der Prüfer den Bewerber in geeigneter Form hinsichtlich der Wiederholung von Prüfungen/Überprüfungen beraten.

 

17    Jede Bemerkung oder Beanstandung bezüglich der Bewertung/Beurteilung einer Prüfung/Überprüfung wird vom Prüfer in den Prüfungs-/Überprüfungsbericht eingetragen und sowohl vom Prüfer als auch vom Bewerber abgezeichnet.

 

VORBEREITUNG DES PRÜFERS

 

18    Der Prüfer muss die gesamte Flugvorbereitung der Prüfung/Überprüfung überwachen, einschließlich, falls notwendig, Einholen oder Bestätigen einer von der Flugverkehrskontrolle zugewiesenen Abflugzeit (Slot Time).

 

19    Die Planung der Prüfung/Überprüfung durch den Prüfer erfolgt in Übereinstimmung mit den Bestimmungen der JAR-FCL deutsch. Es werden nur die Übungen und Verfahren geprüft, die auf dem entsprechenden Formblatt für die Prüfung/Überprüfung enthalten sind. Ein Bewerber darf nach einer nicht bestandenen Prüfung ohne seine Zustimmung nicht nochmals von demselben Prüfer geprüft werden.

 

VERHALTEN ALS PRÜFER

 

20    Ein Prüfer muss durch sein Verhalten sowohl vor als auch während der Prüfung/Überprüfung zu einer freundlichen und entspannten Atmosphäre beitragen. Von einem negativen oder feindseligen Auftreten ist abzusehen.

Während der Prüfung/Überprüfung sind Kritik oder negative Kommentare seitens des Prüfers zu vermeiden, diese sind in der Nachbesprechung zu äußern.

 

BEWERTUNGSSYSTEM

 

21    Obwohl für die Prüfungen/Überprüfungen bestimmte Flugtoleranzen vorgegeben sind, kann der Bewerber nicht davon ausgehen, dass er zur Erreichung eines ruhigen bzw. stabilen Fluges diese auch ausnutzen darf. Der Prüfer muss unvermeidbare Abweichungen aufgrund von Turbulenzen, Anweisungen der Flugverkehrskontrolle, etc. entsprechend berücksichtigen. Der Prüfer darf die Prüfung/Überprüfung nur abschließen, um eine Bewertung des Bewerbers vorzunehmen oder wenn Sicherheitsgründe vorliegen. Prüfer verwenden folgende Bewertungskriterien:

 

a.           „Bestanden“, vorausgesetzt, der Bewerber weist den/die erforderlichen Kenntnisstand/praktische Fähigkeiten/Befähigungen nach und bewegt sich , soweit zutreffend, innerhalb der Flugtoleranzen für die jeweilige Lizenz oder Berechtigung; oder

 

b.           „Nicht bestanden“, vorausgesetzt, dass eine der folgenden Bedingungen vorliegt:

 

              i.   die Prüfungstoleranzen für den Flug wurden überschritten, nachdem der Prüfer Turbulenzen oder Anweisungen der Flugverkehrskontrolle ausreichend berücksichtigt hat;

              ii.  das Ziel der Prüfung/Überprüfung wurde nicht erreicht;

              iii.  das Ziel der Übung wurde erreicht, jedoch durch eine unsichere Flugdurchführung, Verstoß gegen Regeln oder Vorschriften, mangelhaftes Verhalten als Luftfahrer, unsachgemäße Bedienung und Handhabung von Systemen und Einrichtungen;

              iv. es wurde kein angemessener Umfang an theoretischen Kenntnissen nachgewiesen;

v.   es wurde kein angemessenes Flugmanagement nachgewiesen; oder

vi.  das Eingreifen des Prüfers oder Sicherheitspiloten war im Interesse der Sicherheit erforderlich.

 

c.   „Teilweise bestanden“ in Übereinstimmung mit den Kriterien in dem entsprechenden Anhang für die praktische Prüfung in den Bestimmungen der JAR-FCL deutsch.

 

VERFAHREN UND INHALTE DER PRÜFUNG/ÜBERPRÜFUNG

 

22    Vor Beginn einer Prüfung/Überprüfung überzeugt sich der Prüfer, dass das Flugzeug oder synthetische Flugübungsgerät, das verwendet werden soll, für die Prüfung / Überprüfung geeignet und entsprechend ausgerüstet ist. Es dürfen nur Flugzeuge oder synthetische Flugübungsgeräte verwendet werden, die von der zuständigen Stelle für die Durchführung von Prüfungen/Überprüfungen zugelassen wurden.

 

23    Eine Prüfung/Überprüfung wird in Übereinstimmung mit dem Flughandbuch (AFM/AOM) durchgeführt.

 

24    Eine Prüfung/Überprüfung wird innerhalb der im Betriebshandbuch einer FTO/TRTO enthaltenen Betriebsgrenzen und, soweit zutreffend, dem Betriebshandbuch einer registrierten Ausbildungseinrichtung durchgeführt.

 

25    INHALT

 

a.   Eine Prüfung/Überprüfung besteht aus:

-   mündlicher Prüfung am Boden (soweit zutreffend)

-   Besprechung vor dem Flug

-   Flugübungen; und

-   Besprechung nach dem Flug

 

b.   Eine mündliche Prüfung am Boden muss folgendes beinhalten:

-   allgemeine Luftfahrzeugkenntnisse und Flugleistungen;

-   Planungsverfahren und betriebliche Verfahren; und

-   andere einschlägige Übungen/Abschnitte der Prüfung/Überprüfung

 

Die Besprechung vor dem Flug muss folgendes beinhalten:

-   Abfolge der Prüfung/Überprüfung;

-   Setzen der Triebwerkleistungen und Geschwindigkeiten; und

-   Sicherheitsfestlegungen

 

Flugübungen umfassen:

-   alle geforderten Übungen/Abschnitte der Prüfung/Überprüfung

 

Die Nachbesprechung muss folgendes beinhalten:

-   Bewertung/Beurteilung des Bewerbers

-   Dokumentation der Prüfung/Überprüfung im Beisein des Bewerbers und seines Lehrberechtigten (FI), wenn möglich.

 

26    Eine Prüfung/Überprüfung soll einen tatsächlichen Flug simulieren. Der Prüfer kann daher praktische Situationsbeispiele für einen Bewerber entwerfen, wobei sichergestellt sein muss, dass dieser dadurch nicht verwirrt wird und die Sicherheit nicht gefährdet ist.

 

27    Der Prüfer behält Notizen über den Flugverlauf sowie die Bewertung/Einschätzung der Prüfung/Überprüfung, auf deren Grundlage die Nachbesprechung durchgeführt wurde.

 

28    Der Prüfer muss flexibel auf Änderungen während der Prüfungsfluges auf Grund von ATC-Anweisungen oder anderen Umständen reagieren, die sich entgegen den getroffenen Festlegungen in der Vorflugbesprechung ergeben können.

 

29    Ergeben sich Änderungen zu dem geplanten und besprochenen Ablauf der Prüfung/Überprüfung, muss sich der Prüfer davon überzeugen, dass der Bewerber diese Änderungen verstanden hat und akzeptiert. Andernfalls ist die Prüfung abzubrechen.

 

30    Entscheidet sich der Bewerber, eine Prüfung/Überprüfung abzubrechen, aus Gründen ,die der Prüfer für nicht gerechtfertigt hält, werden die nicht durchgeführten Übungen/Abschnitte als nicht bestanden gewertet. Wird die Prüfung/Überprüfung aus Gründen abgebrochen die der Prüfer für gerechtfertigt hält, werden in einer erneuten Prüfung/Überprüfung nur die nicht durchgeführten Übungen/Abschnitte geprüft.

 

31    Nach Ermessen des Prüfers kann der Bewerber jede Übung und jedes Verfahren einmal wiederholen. Der Prüfer kann eine Prüfung/Überprüfung jederzeit abbrechen, wenn die fliegerischen Fähigkeiten des Bewerbers erkennen lassen, dass die gesamte Prüfung/Überprüfung wiederholt werden muss.